Der König hilft: Vom Lesen beim Schreiben

Manchmal ist der Autor sein eigener ärgster Feind. Zumindest geht mir das so. Gefangen zwischen den eigenen Ansprüchen und der unerwarteten Freiheit, Platz fürs Erzählen zu haben – der fehlt nämlich bei Drehbüchern und Kurzgeschichten, bei denen es darauf ankommt, möglichst ökonomisch zu erzählen – saß ich beim Schreiben von „Novembertod“ manchmal vor meinem Computer wie das Kaninchen vor der Schlange: Dumpf. Verängstigt. Starr.
Wahrscheinlich kennen einige Autoren und auch einige Nicht-Autoren diesen Zustand. Man stelle sich vor: Der Computer ist an, das Gehirn leer, die Seiten wollen sich nicht füllen, die Deadline-Uhr tickt und tickt und tickt … Es ist die Hölle. Und irgendwie muß man da raus.
Mich hat Stephen King aus diesem Inferno geführt. Ironischerweise, fällt mir dabei gerade auf, denn der Sog seiner Sprache zieht einen ja unmerklich eher in die finstersten Tiefen der Hölle herab …
Das Buch, das ich gelesen habe, war „Lisey`s Story“. Eine Geschichte, – auch das übrigens wieder einer dieser mysteriösen Zufälle – in der es um einen Autor und ums Schreiben geht (übrigens: remember George Stark, schlotter?!?).
„Lisey`s Story“ hat zwei Dinge bewirkt: Zum einen konnte ich mich entspannen. Wichtig für jemanden, der bist zum Zerreißen gespannt und komplett verknotet ist. Zum anderen ist King ein Meister darin, raumgreifend zu erzählen, ohne den Fokus der Geschichte aus den Augen zu verlieren; ein Schamane der Rückblende, ein Könner, was das organische Einführen von Figuren mit ihren Backstories betrifft, der König des Cliffhangers. Für mich war es so, als habe mich ein großer, freundlicher Lehrmeister bei der Hand genommen, und nicht nur durch mein eigenes Schreiben geführt, sondern gleichzeitig mit dem breiten, unbewußten Strom, aus dem wir unsere Geschichten schöpfen, kurzgeschlossen.
Vielleicht sitzt ja jetzt gerade jemand da draußen auch wie das Kaninchen vor der Schlange vor seinem Computer. Sollte er oder sie meinen Rat wollen, würde ich sagen: Lies! Auch und gerade, wenn es nichts mit dem augenblicklichen Projekt zu tun hat, lies. Einen Autor, den man gerne mag. Der einen entspannt. Und der einen an die Hand nimmt, ohne zu verschüchtern.

Ps. Daß King Autoren auch ganz bewußt bei der Hand nimmt, hat er in seinem wunderbaren Buch „On Writing“ bewiesen.

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~ von novembertod - 3. Juli 2008.

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